Atomkraftgegner stoppen Lastwagen mit Uranfracht

"Gelungener Auftakt für Gorleben"

Atomkraftgegnern ist es am Donnerstag im Vorfeld des Castor-Atommülltransportes nach Gorleben gelungen, vor der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage (UAA) im westfälischen Gronau Lastwagen mit Uranfässern zu stoppen. In der Gronauer Atomfabrik wird Uran in Form des radioaktiven und chemisch sehr gefährlichen Uranhexafluorids für den späteren Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet. Die Gronauer Fabrik bildet in der Bundesrepublik die erste Stufe der atomaren Brennstoffspirale.

Um 12:30 Uhr hatte anlässlich einer Tagung der Atomindustrie im Informationszentrum der Gronauer Anlage eine Mahnwache der örtlichen Bürgerinitiative "Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau" vor der Urananreicherungsanlage begonnen. Gegen 13:00 Uhr stellten die Aktivisten dabei fest, dass LKW mit Uranhexafluorid bald die Anlage verlassen würden. Als die LKW das Werkstor dann gegen 13:05 Uhr passierten, wurden sie von den anwesenden Demonstranten, die sich mit einem Transparent vor die LKW stellten, gestoppt. Gegenüber der anwesenden Polizei wurde für den Straßenbereich eine kurzfristige Spontandemonstration gegen die Urantransporte angemeldet. Nach fünf Minuten wurde die ursprüngliche Mahnwache vor der Anlage fortgesetzt und die LKW konnten ihre Fahrt fortsetzen.

Erstmals (und bisher einmalig) war es 1999 gelungen, LKW mit Uran vor der Gronauer Atomfabrik zu stoppen. Vor drei Jahren hatten es mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen zum ersten Mal geschafft, einen Urantransport bei seiner Ankunft an der UAA zu blockieren. Der AKU Gronau wertet die Aktion als "gelungenen münsterländischen Auftakt der Proteste gegen den bevorstehenden Castortransport nach Gorleben und gegen Atomtransporte insgesamt".

Der AKU Gronau will am Samstag an einer Demonstration in Gorleben teilnehmen und dabei die anwesenden Anti-Atomkraft-Initiativen mit einem Informationsblatt über das Genehmigungsverfahren zum Ausbau der Gronauer Atomanlage informieren. Die Kapazität der UAA soll nach Angaben der Atomkraftgegner konträr zum sogenannten "Atom-Ausstiegsbeschluss" massiv erhöht werden. Neben der Anlage solle ein sogenanntes Zwischenlager für rund 60.000 Tonnen Uranoxid gebaut werden.