Naturschutzorganisation legt Kreditanstalt für Wiederaufbau 6-Punkte-Plan vor

Mehr Nachhaltigkeit gefordert

Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald stellt heute in Bonn eine Umwelt- und Sozialbilanz des kommerziellen Auslandsgeschäfts der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vor. Die urgewald-Studie "Kein gutes Geschäft - Die Schattenseiten der KfW-Export- und Projektfinanzierungen" will die Schwachstellen des Umweltmanagements der Bank aufzeigen und die negativen Auswirkungen anhand zahlreicher Beispiele aus aller Welt illustrieren. Als Ausweg aus dem Dilemma schlägt urgewald der KfW einen 6-Punkte-Reformplan für mehr Nachhaltigkeit vor. Dazu sollen gehören die Umsetzung der freiwilligen Verpflichtungen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit, die Einführung verbindlicher Umweltstandards inklusive Ausschlusskriterien, die Entwicklung einer Menschenrechtspolicy, die Sicherstellung von Kohärenz in der eigenen Bankengruppe, verbesserte Transparenz und das Setzen von positiven Signalen für eine nachhaltige Wirtschaft.

Solche Forderungen unterstützt Sergio Dialetachi von Greenpeace Brasilien, der zur Präsentation der Studie angereist ist, und in seinem Land gegen den Ausbau der Atomkraft streitet: ?Es kann schließlich nicht angehen, dass Deutschland wegen der großen Gefahren im eigenen Land aus der Atomenergie aussteigt, die KfW aber noch in 2002 dem brasilianischen Atomkraftwerksbetreiber Electronuclear eine Finanzierung für ein weiteres Atomkraftwerk in Brasilien in Aussicht stellt!?

Bei der Umsetzung des 6-Punkte-Plans sieht urgewald nun die Bundesregierung und die öffentlichen Anteilseigner der KfW in der Pflicht. ?Grundlegende Reformen im KfW-Risikomanagement sind mehr als überfällig", sagt Barbara Happe von urgewald, ?um die KfW aus ihrer Position als ein Schlußlicht unter den deutschen Banken in Sachen Nachhaltigkeit herauszuholen."

Laut urgewald sei es bedenklich, wenn eine Bank, die gleichzeitig im Bereich der Finanziellen Entwicklungszusammenarbeit den Auftrag hat, nachhaltige Entwicklung zu fördern, Projekte in den SektorenBergbau, Energie, Rüstung und Zellstoffproduktion finanziert, die mit Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverletzungen einhergehen würden.

Die Autorinnen der Studie sehen die Fehler in den strukturellen Mängeln bei den Kreditprüfungen und einer konstanten Vernachlässigung grundlegender sozialer und ökologischer Aspekte. Fatal sei außerdem, dass die Aktivitäten der Export- und Projektfinanzierung direkt die Bemühungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit konterkarieren. Urgewald führt hier das Beispiel eines Zellstoffwerkbaus in Indonesien in einer Region an, in der vorher mit Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit Flussreinigung betrieben worden sei.