Amnesty fordert mehr Sicherheit in guatemaltekischen Gefängnissen

Bandenkrieg hinter Gittern

Angesichts der 35 Todesopfer und 80 Verletzten, die Unruhen in mehreren guatemaltekischen Gefängnissen am 15. August gefordert haben sollen, dringt die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" auf eine sofortige Untersuchung der Vorfälle und Maßnahmen, die die körperliche Unversehrtheit der Häftlinge garantiere. Die Mehrheit der Toten und Verletzten seien Opfer von Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Banden, den sogenannten "Maras". Dabei seien auch mehrere Granaten gezündet und mit Pistolen geschossen worden.

Mehr als die Hälfte der Todesopfer sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation im Gefängnis El Hoyón, 50 Kilometer südlich der guatemaltekischen Hauptstadt zu beklagen. Nach guatemaletkischen Presseberichten detonierten dort zwei Granaten. Verantwortlich seien die "Mara Salvatrucha (MS13)", die Opfer Mitglieder der "Mara 18".

Angesichts der schweren Waffen, die sich in den Händen internierter Krimineller befunden hätten, hegt Amnesty den Verdacht, dass Sicherheitskräfte sich der Komplizenschaft schuldig gemacht oder aber zumindest durch Untätigkeit und Wegschauen die Geschehen mitverschuldet haben könnten. Daher fordert die Organisation eine strenge Untersuchung, deren Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten.

Angesprochen auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Maras hat der guatemaltekische Regierungschef, Carlos Vielmann, die Unzulänglichkeiten des Gefängnis- und Justizsystems seines Landes zugegeben und Gegenmaßnahmen angekündigt. Details wollte er nicht nennen, um zu verhindern, dass die Kriminellen von diesen Informationen profitieren könnten.

"Pro Justicia", eine Vereinigung von guatemaltekischen Bürgerrechtsgruppen, fordert den Kongress auf, die Verabschiedung eines Gesetzes über das Gefängniswesen zu beschleunigen. Trotz des Verbotes von Waffen, Drogen und Alkoholika in den Zellen, habe es bisher keine ausreichende Kontrollen gegeben. So hätte es geschehen können, dass mittels Handys die gewaltsamen Aktionen vom 15. August in den verschiedenen Gefängnissen hätten koordiniert werden können. Das Gesetz über das Gefängniswesen solle helfen, einerseits die Sicherheit der Häftlinge zu verbessern, andererseits das gesamte Justiz- und Strafrechtssystem "effizienter" zu machen.

Der Sozialwissenschaftler Gabriel Aguilera Peralta hat in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur "Cerigua" seiner Befürchtung Ausdruck verliehen, dass die "Ineffizienz" des Staates bei der Gewährung von Sicherheit, Bildung und Gesundheit dem demokratischen Bewusstsein der Guatemalteken Schaden zufügen würde. Private Sicherheitsdienste würden zunehend in Anspruch genommen, Zufahrtswege zu privaten Grundstücken würden geschlossen. Andererseits gebe es aber viele, die den Staat drängten, seine Aufgaben wahrzunehmen.