Höchstrafe für Motassadeq beantragt

Terrorverdächtig

Im Hamburger Prozess gegen den terrorverdächtigen Marokkaner Mounir El Motassadeq hat die Bundesanwaltschaft die Höchststrafe von 15 Jahren gefordert. Die Ankläger befanden El Motassadeq in ihrem Plädoyer am Dienstag der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen für schuldig. Die Verhandlung habe das Bild eines radikalen Moslem ergeben, der "den gewaltsamen Dschihad suchte und fand", sagte Bundesanwalt Walter Hemberger vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht (OLG) in Hamburg. Im ersten Prozess war der Marokkaner im Februar 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof (BGH) im März 2004 wegen fehlerhafter Beweiswürdigung jedoch aufgehoben.

Nach Ansicht der Anklage gehörte El Motassadeq zu den Gründungsmitgliedern der spätestens seit Herbst 1999 in Hamburg existierenden terroristischen Vereinigung um den Todespiloten Mohammed Atta. Motassadeq sei stets zur Stelle gewesen, "wenn seine Hilfe nötig war", sagte Hemberger. Der Marokkaner sei in die Anschlagspläne vom 11. September 2001 in den USA eingeweiht gewesen. Das deutsche Rechtssystem müsse auf den Anschlag mit allen Mitteln reagieren.

Die Äußerungen El Motassadeqs seien nicht glaubwürdig, sagte Oberstaatsanwalt Matthias Krauß im Verlauf des mehr als sechsstündigen Plädoyers. Er fügte hinzu: "Würde man ihm glauben, hätten alle anderen Zeugen gelogen." Auch die in die Neuauflage des weltweit ersten Terrorprozesses eingeflossenen Angaben des mutmaßlichen "Bankiers" der Hamburger Zelle, Ramzi Binalshibh, seien unglaubwürdig und nichts anderes "als Auszüge aus Ramzis Märchenstunde aus 1001 Nacht".

Die Gruppe habe bereits 1999 in Hamburg die Bereitschaft zu Terroranschlägen gehabt und sich im Jahresverlauf zunehmend abgeschottet und radikalisiert, sagte Krauß. Im Anschluss an die Staatsanwaltschaft hielten die Vertreter der Nebenklage am Nachmittag ihre Schlussvorträge.

Die Verteidiger des Marokkaners wollen am Freitag beziehungsweise Montag ihre Plädoyers halten. Mit einem Urteil wird am 19. August gerechnet.