NATO schließt mit Militär-Transportflugzeugen eine "Fähigkeitslücke"

"Keine geografischen Grenzen"

Nach jahrelangen Vorbereitungen hat die NATO am Donnerstag ihr Gemeinschaftsprojekt "Salis" zum strategischen Lufttransport gestartet. Bei der Indienststellung auf dem Flughafen Leipzig/Halle sprach Verteidigungsminister Franz Josef Jung von einem "bedeutenden Tag" für das Bündnis und für die Europäische Union. Mit den sechs Großraumflugzeugen vom Typ Antonow An-124-100 werde eine "Fähigkeitslücke" geschlossen und die Einsatzbereitschaft der Allianz wesentlich verbessert. Zur der Zeremonie kamen Militärvertreter aus 14 NATO-Staaten sowie aus Finnland und Schweden.

Jung begrüßte, dass sich dem von der NATO gestarteten Projekt mittlerweile die ersten zwei EU-Staaten angeschlossen haben. Dies zeige den "Geist der strategischen Partnerschaft" zwischen beiden Organisationen, sagte der Minister, der zugleich vor einer Doppelung von Kapazitäten warnte. Eine Duplizierung von Schneller NATO-Eingreiftruppe NRF und EU-Battlegroups müsse vermieden werden.

Mit der Indienststellung der "Strategic Air Lift Interim Solution" (Salis) stehen auf dem Flugplatz Leipzig/Halle ab sofort zwei Großraumtransporter Antonow An-124 ständig bereit, die von den beteiligten "Salis"-Partnern angefordert werden können und innerhalb von 72 Stunden abflugbereit sind. Weitere vier Maschinen des gleichen Typs komplettieren die "Übergangsvariante", die bis ins kommende Jahrzehnt konzipiert ist.

Vorrangig ist mit "Salis" ein Lufttransport von militärischem Großgerät und Soldaten geplant, doch können die "Salis"-Partner die Maschinen mit ihrer Ladekapazität von bis zu 150 Tonnen transportieren. Die Bundeswehr nutzt die Großraumflugzeuge vor allem für die Versorgung der deutschen ISAF-Truppen in Afghanistan.

Der stellvertretende NATO-Generalsekretär Allesandro Minuto Rizzo hob die "neue Ära" hervor, die mit den von der russischen Firma Volga-Dnepr gecharterten Maschinen nicht nur für das Verteidigungsbündnis beginne. Auch die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union werde dadurch enger gestaltet. Für Einsätze - egal ob militärischer oder humanitärer Art - gebe es nun "keine geografischen Grenzen mehr". "Hilfen" für Sicherheit und Stabilität könne die Allianz nun an jedem Ort der Welt leisten.

Für den EU-Außenbeauftragten Javier Solana betonte Brigadegeneral Lennart Bengtson, mit "Salsi" werde auch die Möglichkeit der Europäischen Union zur Krisenintervention gestärkt. "Prävention kann nicht früh genug starten", sagte er. Schließlich könne Europa nicht immer auf die NATO warten.

"Salis" ist als Übergangslösung bis zur Umsetzung des Projekts eines europäischen Militärtransporters A400M geplant. Der Transport wird bis dahin über die russische Firma Ruslan Salis abgewickelt, einer Tochter der Fluggesellschaft Wolga-Dnepr. Die Gesellschaft ist eine von weltweit drei Airlines, die mit der Antonow An-124-100 über das größte Serien-Transportflugzeug der Welt mit einer Nutzlast von maximal 150 Tonnen verfügen. Der Vertrag ist bis 2012 konzipiert.