Naturstrom - Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale empfehlen Stromwechsel

Ab Sonntag teilweise über 30 Prozent teurer

Viele Stromanbieter erhöhen ab Sonntag ihre Preise - teilweise um mehr als 30 Prozent. Während die Verbraucherzentrale Sachsen allgemein den Wechsel des Stromanbieters empfiehlt, ruft das Umweltbundesamt dazu auf, die Gelegenheit zu nutzen und auf klimafreundlich erzeugten Strom umzusteigen. Häufig seien umweltfreundliche Stromangebote nicht teurer als konventionell erzeugter Strom.

Hintergrund der flächendeckenden Strompreiserhöhungen ab 1. Juli ist der Wegfall der Genehmigungspflicht für die Grundversorgungstarife der Stromanbieter vorsah. Da die meisten Haushalte ihren Strom noch nach diesen Grundversorgungstarifen bezögen, seien zum Beispiel in Sachsen fast 70 Prozent der Haushalte betroffen, so Roland Pause, Energieexperte der dortigen Verbraucherzentrale. Nur wenige Haushalte hätten bisher ihren Stromanbieter gewechselt, etwa ein Fünftel habe beim alten Versorger ein günstigeres Preismodell gewählt. Dabei lohne sich die Suche nach einem neuen Stromanbieter. "Der Wechsel ist denkbar einfach und kostet nur wenige Minuten Zeitaufwand", so Pause.

Das Umweltbundesamt wies am Freitag darauf hin, dass seit 2006 alle Stromlieferanten verpflichtet sind, ihre Kunden über die Quellen des bereitgestellten Stromes aufzuklären. Neben der Angabe, welche Energieträger sie bei der Stromgewinnung einsetzen, müssen die Stromlieferanten Informationen über die hierbei entstehenden Umweltauswirkungen zur Verfügung stellen. Auf diese Weise hätten Verbraucher die Möglichkeit, bei der Wahl ihres Stromlieferanten Umweltschutzkriterien - nämlich die Menge der bei der Stromerzeugung anfallenden Kohlendioxid-Emissionen oder des radioaktiven Abfalls - einzubeziehen. Die Stromkennzeichnung mache den deutlich transparenter.

Mit der Stromkennzeichnung sind nach einer Studie für das Umweltbundesamt weitere Verbesserungen möglich: So schlägt die Studie beispielsweise eine einheitliche Darstellungsweise der im "Strommix" verwandten Quellen vor. Auch die Mengenangaben der Schadstoffe pro Kilowattstunde seien nicht bei allen Stromanbietern sofort verständlich. Eine Vereinheitlichung des Layouts der Kennzeichnung und der enthaltenen Informationen könnte den Vergleich verschiedener Anbieter vereinfachen. Zudem ließe sich das derzeit angewandte Bilanzierungsverfahren optimieren. Dieses regelt zum Beispiel für den an der Börse gehandeltem Strom die Ausweisung der Stromherkunft. Hier könne es nach den derzeitigen Regelungen zu Fehlern unter anderem dadurch kommen, dass die Stromanbieter ihren Anteil erneuerbarer Energien durch statistische Doppelzählungen überbewerteten.

Umweltverbände empfehlen nur vier Anbieter von Ökostrom: LichtBlick, Greenpeace energy, die Elektrizitätswerke Schönau und die naturstrom AG. Bei den anderen Anbietern lautet die Kritik entweder, dass ein ökologischer Effekt zweifelhaft ist, oder dass sie mit Atomkonzernen verflochten sind. Dennoch sind gerade Lichtblick oder die EWS Schönau oft billiger als der örtliche Versorger.