Greenpeace gegen Kohlekraftwerk, aber für ein fossiles Gaskraftwerk

Hamburg

Anlässlich der letzten Runde der Hamburger Koalitionsverhandlungen fordert Greenpeace das endgültige "Aus" für das geplante Kohlekraftwerk Moorburg. Das Klima kenne keine Kompromisse. Greenpeace fordert CDU und die Grün-Alternative Liste (GAL) auf, sich nicht von Vattenfalls Schadensersatzforderungen beeinflussen zu lassen und eine Ausschreibung für ein Gaskraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung zu starten.

Hamburg kann nach Auffassung der Umweltschützer die Energieversorgung seiner Bürger und der Industrie auch ohne "den Klimakiller Kohle" sichern. "Das geht mit einem hocheffizientem Gaskraftwerk", meint Karsten Smid von Greenpeace. Eine Stadt wie Hamburg müsse Signale für die Zukunft setzen, vor allem bei der Erzeugung von Energie.

Während der Energieträger Kohle 750 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilowattstunde Strom erzeuge, seien es beim Gas nur 365 Gramm. Daran würde auch der Vorschlag des Energiekonzerns Vattenfall nichts ändern, das Kraftwerk in Moorburg nach seinem Bau mit halber Kraft laufen zu lassen. Vattenfall wolle das Kraftwerk erst dann voll ausnutzen, wenn eine Filtertechnik für CO2 zur Verfügung stehe. "Vattenfalls Vorstoß ist ein ganz fauler Kompromiss. Die GAL darf diese Kröte auf keinen Fall schlucken", fordert Greenpeace.

Die Ankündigung Vattenfalls, ab dem Jahr 2018 das Kohlekraftwerk mit einer Technik zum Herausfiltern von CO2 nachzurüsten, könne nicht überzeugen. Die CO2-Abscheide-Technik funktioniere zur Zeit noch nicht einmal im Modellmaßstab, so Greenpeace. Auch könne niemand sagen, wohin mit dem "CO2-Müll". Vattenfall sei zudem nicht bereit, dauerhaft Verantwortung für die sichere Endlagerung zu übernehmen. "Wir sollten nicht die gleichen Fehler wie beim Atommüll wiederholen. Niemand weiß bis heute, wie dieser gefährliche Dreck sicher entsorgt werden kann", so Smid.

Sollte Moorburg in Betrieb gehen, könnten nach Auffassung von Greenpeace Klimaschäden in Milliardenhöhe vom Betreiber Vattenfall eingeklagt werden. Greenpeace setzt in seiner Analyse Kosten für Klimafolgeschäden in Höhe von 205 Euro pro Tonne Kohlendioxid an. Diesen Wert habe auch die Bundesregierung in einem Bewertungsverfahren zum aktuellen Bundesverkehrswegeplan angesetzt. Anteilig auf den jährlichen CO2-Ausstoß von 8,5 Millionen Tonnen und einer Laufzeit von 40 Jahren ergäben sich daraus Kosten für Schäden in Höhe von 70 Milliarden Euro.

In Deutschland sind rund 25 neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von 23.800 MW in Planung. Sie könnten mit einem Jahresausstoß von 141 Millionen Tonnen CO2 die CO2-Minderungsziele der Bundesregierung für 2020 gefährden.