Verfassungsschutz hat laut Buback RAF-Terroristin Becker gedeckt

Tatwaffe

Der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, Michael Buback, ist weiter von einer Beteiligung der ehemaligen RAF-Terroristin Verena Becker am Attentat auf seinen Vater überzeugt. Sie sei jedoch vom Verfassungsschutz gedeckt worden. In einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview im Magazin "Stern" sagte Buback: "Wenige Wochen nach der Tat wurde Frau Becker vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs als Mittäterin beim Karlsruher Attentat bezeichnet. Später verschwinden die Hinweise auf sie aus Akten und Prozessen". Becker war einen Monat nach dem Attentat in Folge einer Schießerei in Singen verhaftet worden. In ihrer Tasche habe sich die Tatwaffe von Karlsruhe befunden. Für den Buback-Mord wurde sie nicht belangt, 1989 kam die zu lebenslanger Haft verurteilte Terroristin auf dem Gnadenweg frei.

Beckers Kontakte zum Verfassungsschutz während ihrer Haftzeit Anfang der 1980er Jahre sind bekannt. Damals soll sie das RAF-Mitglied Stefan Wisniewski belastet haben, der Todesschütze von Karlsruhe gewesen zu sein. Die Aussagen seien auch der Bundesanwaltschaft übermittelt worden. Das Bundesinnenministerium ließ die Verfassungsschutzakte mit den angeblichen Aussagen Beckers jedoch im Januar 2008 sperren. Und in der Bundesanwaltschaft seien die damals übergebenen Akten angeblich nicht mehr auffindbar, so der "Stern". Es sei "merkwürdig", sagte Buback, dass im Laufe der Jahre ein Vorgang geheimer werde und die Akten nicht herausgegeben würden.

Im Juli 2008 kam das Kriminaltechnische Institut des Bundeskriminalamtes (BKA) zu dem Ergebnis, dass Becker mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht am Anschlag auf Buback beteiligt war. Ein Abgleich einer DNA-Probe Beckers an drei nach dem Attentat sichergestellten Beweisstücken habe ein negatives Ergebnis erbracht.

Das entsprechende Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft gegen Becker war im April 2008 wieder aufgenommen worden. Es ist noch nicht abgeschlossen, wie ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch in Karlsruhe auf Anfrage sagte. Dies gelte auch für die im April 2007 eingeleiteten Ermittlungen gegen Wisniewski. Die Öffentlichkeit werde "zu gegebener Zeit über die Ermittlungsergebnisse unterrichtet".