Griechenland: Hellas, ich komme

<<Wunderliche Welten>>

Total übermüdet versuche ich diesen Text zu schreiben. Was ist passiert? Nachdem ich erfahren habe, dass Griechenland zwei seiner Häfen verkaufen will, kam und kam ich im Bett nicht zur Ruhe. Ich konnte nicht entscheiden, welchen dieser Häfen ich mir zu Weihnachten wünschen soll. Um drei Uhr in der Frühe bin ich noch einmal aufgestanden, habe den alten Schulatlas meiner Tochter gesucht und ihn nach zwei Stunden endlich gefunden. Genaue geographische Lage, Bevölkerungsdichte und industrielle Nutzung sind Dinge, die man bei einer Anschaffung dieser Größenordnung nicht vernachlässigen darf.

Thessaloniki sagte mir gar nichts. Von Piräus wusste ich immerhin, dass Melina Mercouri dort die Woche über als Prostituierte gearbeitet hatte. Sonntags hatte sie jeweils frei und sang sehnsüchtige Lieder in das Hafenbecken hinaus.

Ob Nana Mouskouri ähnliches für Thessaloniki geleistet hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Wikipedia konnte mir da auch nicht weiter helfen. Auf die Schnelle habe ich mir dann noch die Zeitschrift „Yacht“ besorgt. Glücklicherweise haben Tankstellen rund um die Uhr geöffnet. Gerade als ich mich für eine turmhohe Luxusyacht entschieden hatte, fiel mir ein, dass Hafen und Yacht den finanziellen Rahmen meines Mannes sprengen würden. Leider haben die Baumärkte über Nacht geschlossen.

Warum eigentlich? Haltet sie offen!

Frauen müssten sich dann nie wieder Gedanken darüber machen, was ihre Männer so treiben, wenn sie zu nächtlicher Stunde aushäusig sind. Der erste Baumarkt öffnet seine Pforten bei uns um 8.00 Uhr. Ich habe mir einen Mantel über mein Nachthemd geworfen und los ging es. Ich erwarb eine große Regentonne, denn was Diogenes recht war, kann mir nur billig sein. Die Tonne habe ich mitten ins Wohnzimmer gestellt, wo sie bis kurz vor Weihnachten stehen bleiben soll.

Vielleicht erkennt mein Mann ja den Wink mit dem Zaunpfahl.

Elke Balthaus-Beiderwellen