Karstadt mustert Raubbau-Papier aus

Robin Wood-Aktion erfolgreich

Erfolg für Robin Wood: Nach einem bundesweiten Aktionstag gegen Tropenholz-Papier bei Karstadt am Mittwoch nimmt der Kaufhaus-Konzern das Kopierpapier der Marke "Golden Plus aus dem Sortiment. In Hamburg, Berlin, Braunschweig, Bremen und Köln hatten UmweltaktivistInnen mit Transparenten und Flugblättern öffentlich Druck auf den Konzern gemacht, weil er das Kopierpapier vertreibt, für das Regenwälder in Indonesien zerstört werden. Der Umweltschutzbeauftragte von Karstadt, Klaus Wilmsen, erklärte daraufhin, der Artikel werde nur noch abverkauft. Robin Wood verlangt zudem, der Warenhaus-Konzern solle sicherstellen, dass keine weiteren Papierprodukte aus zerstörerischer Waldwirtschaft in seinen Regalen liegen und mehr Recyclingpapier ins Sortiment genommen wird.

In der Öffentlichkeit gibt sich Karstadt ökologisch verantwortungsbewusst. "Umweltgerechtes Wirtschaften ist ein fester Bestandteil unserer Unternehmenspolitik", behauptet das Unternehmen auf seiner Homepage. Doch die Praxis sieht anders aus, kritisiert Robin Wood: Das "Golden Plus"- Papier werde von Asia Pulp and Paper (APP), dem weltweit zehntgrößten Papier- und Zellstoffkonzern, in Indonesien hergestellt. Für seine Zellstoffproduktion betreibe APP insbesondere in Sumatra brutalen Raubbau mit Kahlschlagwirtschaft in den Wäldern. Zahlreiche Dokumentationen belegten, dass APP selbst vor illegalen Brandrodungen nicht zurückschrecke und die lokale Bevölkerung teils unter Gewaltanwendung von ihrem Land vertreiben lasse.

Auch in nicht-tropischen Regionen zerstört die Industrie Wälder für die Zellstoffproduktion. Insbesondere in Kanada, Nordrussland und Skandinavien fallen die letzten natürlichen Waldgebiete der Holz- und Papierproduktion zum Opfer. "Die KundInnen in Deutschland wollen kein Papier aus Waldzerstörung. Deshalb müssen Karstadt und auch der übrige deutsche Handel das gesamte Papiersortiment überprüfen und Papier aus Waldzerstörung aus den Ladenregalen verbannen", fordert Robin Wood-Waldreferent Rudolf Fenner.

In einem Fax an Robin Wood erklärte der Umweltschutzbeauftragte von Karstadt, Klaus Wilmsen, das "Golden Plus"-Papier werde nur noch abverkauft. Das Unternehmen versucht seinen ökologisch verheerenden Fehler mit Nichtwissen zu rechtfertigen. Karstadt habe das Produkt "von einem holländischen Importeur bezogen", heißt es in dem Schreiben. Und weiter: "Karstadt war nicht bekannt, dass dieser Artikel aus Indonesien stammt. Weitere Artikel aus Indonesien sind nicht im Sortiment."

"Es ist ein Armutszeugnis für Karstadt, dass der Konzern so wenig über die Produkte weiß, die er selbst verkauft", kritisiert Robin Wood-Tropenwaldexperte Peter Gerhardt. "Nach außen hin brüstet sich der Konzern mit seinem Engagement für die Umwelt, während er zugleich am Raubbau in den Tropen verdient. Wir wollen, dass Karstadt seinen schönen Worten endlich Taten folgen lässt."

Robin Wood verlangt, dass Karstadt die Herkunft seines gesamten Papiersortiments überprüft und sämtliche Papiere, deren Zellstoff aus zerstörerischer Waldwirtschaft stammt, auslistet. Außerdem soll Karstadt mehr Recyclingpapier anbieten.

Um darüber eine Vereinbarung zu treffen, hat sich Karstadt auf Druck von Robin Wood zu einem Treffen mit VertreterInnen der Umweltorganisation bereit erklärt. Es soll nach Ostern in Hamburg stattfinden.