Zwei Milliarden Menschen haben noch keinen Zugang zu Energie

Bundestagsdebatte um Entwicklung und Umwelt

Zehn Jahre nach dem Umweltgipfel von Rio gibt es nach den Worten von Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) große Defizite beim Verständnis der Nachhaltigkeit. Dies sei keine andere Form der Entwicklungshilfe, sondern ein Ausdruck "globaler Gerechtigkeit". Daher müssten vor allem die Industrieländer, wo 20 Prozent der weltweiten Bevölkerung 80 Prozent der Ressourcen verbrauchten, ihr Knowhow einsetzen. Das werde beim Energieproblem deutlich, wo zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu Elektrizität hätten.

"Wenn wir nicht die Energie zu den Menschen bringen, werden die Menschen zur Energie kommen", sagte Trittin. Daher werde bis 2010 eine Quote von 15 Prozent erneuerbarer Energien gebraucht.

Der CDU-Abgeordnete Paul Laufs hielt der Bundesregierung vor, unter dem Begriff "Nachhaltigkeit" einen falschen Weg einzuschlagen. Die Forderung der Bundesregierung sei falsch, konkrete Steigerungen für den Einsatz erneuerbarer Energien festschreiben zu wollen. Auch die grundsätzliche rot-grüne Ablehnung der Kernkraft sei unverständlich, da sie durchaus zu einer schonenden Ressourcennutzung beitragen könne. Schließlich müssten beim Knowhow-Transfer in Entwicklungsländer die wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen vor Ort besser berücksichtigt werden.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) kündigte an, Deutschland wolle Afrika auf dem Johannesburg-Gipfel eine "Partnerschaft" für einen besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser anbieten. SPD-Umweltexperte Ernst Ulrich von Weizsäcker mahnte, bei allem Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung nicht die nachfolgenden Generationen zu vergessen. Märkte seien "blind und taub" gegenüber der Umwelt, sagte er. Daran müsse man denken, wenn heute bereits 51 der 100 größten internationalen Wirtschaftseinheiten nicht mehr Staaten, sondern Unternehmen seien.