BUND: Atomkraftwerk Unterweser ist Beispiel für mangelndes Sicherheitsdenken

Atomenergie

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die Entscheidung des niedersächsischen Umweltministers Wolfgang Jüttner wegen der Mängel an Zwischenkühlern im EON-Atomkraftwerk Unterweser die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Helmut Hirsch, Atomexperte und Mitglied der BUND-Strahlenkommission: "Der Fall offenbart erhebliche Lücken bei jenen Systemen, die für die Sicherheit von Atomkraftwerken wichtig sind. Wenn Schweißnähte von der Dokumentation abweichen und der Hersteller sogar insgeheim Reparaturen durchführt, bedeutet dies, dass eine ausreichende Kontrolle der Sicherheit nicht mehr möglich ist. Offenbar bestehen bei der Qualitätskontrolle von Siemens-Framatome und seinen Zulieferern schwere Defizite. Entweder mangelt es den Verantwortlichen an Kompetenz oder man arbeitet nach dem falschen Prinzip: Wirtschaftlichkeit geht vor Sicherheit."

Nach Ansicht des BUND müsse das Bundesumweltministerium umgehend prüfen, in welche anderen Atomkraftwerke ebenfalls Zwischenkühler vom gleichen Hersteller wie die beim Atomkraftwerk Unterweser eingebaut worden sind. Diese Atomkraftwerke müssten sofort vom Netz genommen und einer Sicherheitsüberprüfung durch die Reaktor-Sicherheits-Kommission unterzogen werden. Darüber hinaus sei das gesamte System der Qualitätskontrolle von Siemens-Framatome und seinen Zulieferern zu überprüfen.

Renate Backhaus, Atomexpertin im BUND-Bundesvorstand: "Im Fall Unterweser offenbart sich erneut das beschränkte Sicherheitsdenken bei den Atomkraftwerksbetreibern und bei Herstellern und Lieferanten sicherheitsrelevanter Bauteile. Jeder verantwortungsbewusste und vorausschauende Bauherr wird sein Haus von fachkundigen Handwerkern bauen und jeden Mangel vor der Abnahme beseitigen lassen. Für die Atomkraftwerker geht es anscheinend nur darum, dass der Reaktor läuft. Die Sicherheit der Bevölkerung ist ihnen dagegen weniger wichtig."