RWE-Tochter soll Auftrag zum Aufbau im Irak erhalten

Kriegsgewinne

Während im Irak täglich dutzende oder hunderte von Menschen sterben, bemühen sich zahlreiche Unternehmen um Aufträge zum Wiederaufbau des Irak, der gerade durch Panzer und Bombem zerstört wird. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) hat sich die britische Wirtschaftsministerin Patricia Hewitt bereits mit der amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID ins Benehmen gesetzt, um potenzielle Auftragnehmer aus Großbritannien frühzeitig ins Gespräch zu bringen. Auf ihrer Vorschlagsliste stünden die Baukonzerne Balfour Beatty und Amec sowie der zum deutschen Energiekonzern RWE gehörende Wasserversorger Thames Water. Zu den von der US-Regierung bereits vorausgewählten amerikanischen Konzernen gehört auch eine Tochtergesellschaft des texanischen Ölfeldausrüsters Halliburton. Vorstandschef von Halliburton war bis zum Jahr 2000 der derzeitige amerikanische Vizepräsident Dick Cheney.

Bei der Halliburton-Tochter handelt es sich um das Unternehmen Kellog Brown & Root. Das amerikanische Verteidigungsministerium hat Kellog Brown beauftragt, einen Plan für die Bekämpfung möglicher Brände von Erdölquellen im Irak vorzulegen, berichtet die FAZ in ihrer Ausgabe vom 26. März 2003.

Amerikanische Bauunternehmen

Bislang hätten insgesamt fünf große amerikanische Bauunternehmen Angebote eingericht. Die Regierung habe die Unternehmen selbst ausgewählt und ein Schnellverfahren bei der Vergabe der Aufträge verfügt. Öffentliche Ausschreibungen habe es nicht gegeben, die Aufforderung zum Bieten sei geheim verteilt worden, kritisierte Professer Steven Schooner von der George-Washington-Universität in Washington.

Einige der ausgewählten Bauunternehmen sollen enge politische Beziehungen zur Bush-Regierung haben. So sitzt George Shultz, Außenminister unter den Präsidenten Ronald Reagan und George Bush senior, im Verwaltungsrat des kalifornischen Bauunternehmens Bechtel.

Ein erster Auftrag im Wert von 4,8 Millionen Dollar ist bereits vergeben worden. Er ging an das amerikanische Transportunternehmen Stevedoring Services of zum Betreiben des irakischen Hafens Umm Qasr.

Ölkonzern Total Fina Elf

Selbst der französische Ölkonzern Total Fina Elf rechnet offenbar damit, im Irak gute Geschäfte mit der Ausbeutung der Öl- und Gasfelder machen zu können. Man betreibe keine Politik, erklärte ein Sprecher des Unternehmens und die zur Erschließung des Öls notwendigen Investitionen würden mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Total Fina Elf ist der viertgrößte Ölkonzern der Welt. Total entstand im Jahre 1924 auf dem Gebiet des heutigen Irak. 1973 hatte sich das Unternehmen aus dem Land zurückgezogen. In den neunziger Jahren scheiterten Verhandlungen über eine Rückkehr.

Diese steht jetzt offenbar bevor. Der Konzern möchte sich nach dem Krieg an der Ausbeutung der mächtigen Ölvorkommen beteiligen.

Auch Deutschland hofft auf Aufträge

"Made in Germany hat im Irak einen ausgezeichneten Ruf. Das könnte nach dem Ende des gegenwärtigen Krieges der deutschen Wirtschaft beim Wiederaufbau des Landes zu Gute kommen", sagte Erich Riedl (CSU), Ex-Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und ehemaliger Irak-Beauftragter seiner Fraktion, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Riedl hatte noch vor einem Vierteljahr selbst Gespräche mit dem stellvertretenden irakischen Ministerpräsidenten Tariq Aziz und Industrieminister Myassar Rijah Shlah geführt.

Ein Teil der irakischen Oberschicht, die vor dem Krieg die Kontrolle über die Bodenschätze der Region hatte, werde auch nach einem Sturz von Saddam Hussein an den Schalthebeln der Macht bleiben, prognostiziert Riedl.

So hofft auch der Fraktionsvize der SPD-Bundestagsfraktion, Gernot Erler: "Natürlich können die USA den Krieg allein gewinnen. Die Neuordnung des gesamten Nahen Ostens können sie jedoch anschließend nicht allein bewerkstelligen."

Deutsche Panzerhersteller uneins

Die deutsche Rüstungsindustrie ist sich nicht sicher in der Einschätzung, ob sich der Irak-Krieg vorteilhaft auf das Geschäft auswirkt oder nicht. Manfred Bode, Geschäftsführer des größten deutschen Panzer-Produzenten Krauss-Maffei Wegmann, erklärte gegenüber der Online-Ausgabe des "Manager-Magazins", bei der Entwicklung eines neuen Panzers für das US-Heer nicht zum Zug gekommen zu sein.

Immerhin habe Kraus-Maffei in der vergangenen Woche einen Großauftrag über die Lieferung von 170 Leopard-2-Panzern an Griechenland im Wert von 620 Millionen Euro erhalten. Vor der Auftragsvergabe konnte die deutsche Panzerschmiede offenbar US-Konkurrenten ausstechen.

Auch der zweite große Panzer- und Militärfahrzeug-Hersteller in Deutschland, Rheinmetall, sieht das US-Geschäft aufgrund der Antikriegsstimmung problembeladen: "Ich sorge mich als Bürger und Unternehmer über die Verschlechterung des politischen Klimas", so Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt.

"Allerdings profitieren wir mittelfristig von der wieder stärker werdenden Erkenntnis, dass wir ohne Verteidigung nicht sicher leben können", hatte Eberhardt vor Ausbruch des Irak-Krieges gegenüber der "Rheinischen Post" erklärt.