Weg frei für neuen Atomreaktor mit waffenfähigem Uran

Forschungsreaktor Garching

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat am Dienstag den Weg für die Betriebsgenehmigung eines neuen Atomreaktors frei gemacht. Er erteilte dem bayerischen Umweltministerium als Genehmigungsbehörde einige Auflagen, unter denen der Forschungsreaktor FRM-II in Garching bei München in Betrieb gehen kann. Bis zum Jahr 2010 darf der als Neutronenquelle für die Materialforschung vorgesehene Reaktor noch mit hochangereichertem Uran betrieben werden. FRM-II sei damit außerhalb von China und Libyen weltweit der einzige neue Reaktor, der mit waffentauglichem Uran betrieben werde, kritisierten Atomkraftgegner und auch Umweltminister Trittin.

Durch den neuen Reaktor mit atomwaffenfähigem Uran wird das insbesondere von US-amerikanischer Seite unterstützte Programm zur Umrüstung bestehender Anlagen auf niedrig angereichertes Uran beeinträchtigt. Die internationalen Bemühungen zur Nichtverbreitung von Atomwaffen streben an, den Markt für hoch angereichertes Uran schrittweise zu beseitigen.

"Die Planer des FRM-II hatten diese internationale Abrüstungspolitik viele Jahre ignoriert", kritisierte das Umweltministerium. Trittin hat nach eigenen Angaben den Entsorgungsvorsorgenachweis für die abgebrannten Brennelemente verschärft. Üblicherweise muss nur eine kurze Zwischenlagerung oder ein Vertrag über die "Wiederaufarbeitung" - und damit Vervielfachung - des Atommülls nachgewiesen werden.