Erneute Kritik an unzureichendem Schutz der Atomkraftwerke gegen Terrorangriffen

"Gefahr Innentäter"

Die Atomkraftwerke in Deutschland sind nach Darstellung der Umweltorganisation BUND nur unzureichend gegen Terroranschläge gesichert. Potenziellen Attentätern werde es viel zu leicht gemacht, Sicherheitslücken auszunutzen, rügte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Freitag (5. September) in Berlin. Den Stand der Vorsorgemaßnahmen habe der unabhängige Atomexperte Helmut Hirsch untersucht. Sein Fazit laute: "Atomkraftwerke sind durch Terror- und Sabotageakte weiterhin leicht angreifbar. Von außerhalb der Anlage können Attacken sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus erfolgen. Ebenso ist ein Beschuss des Geländes oder der Gebäude mit Geschützen denkbar. Und eine besonders große Gefahr geht von möglichen Innentätern aus."

Zwar stünden an einigen AKWs inzwischen Vernebelungsanlagen. Diese böten jedoch keinen ausreichenden Schutz und erschwerten im Ernstfall den Rettungskräften ihre Arbeit. Ein anfliegendes Flugzeug könne zudem auch in einer Nebelwolke sicherheitsrelevante Anlagenteile treffen, gab Hirsch zu bedenken.

Hirsch sieht die Anlagen Biblis A, Brunsbüttel und Philippsburg 1 als besonders gefährdet an. Grund seien die schwachen Auslegungen der Wandstärken der Reaktorgebäude. Eine weitere Schwachstelle wiesen die Siedewasserreaktoren Brunsbüttel, Philippsburg 1, Isar 1 und Krümmel auf. Im oberen Teil des Reaktorgebäudes befinde sich das Brennelemente-Lagerbecken, das erheblich mehr langlebige radioaktive Stoffe enthalten könne als der Reaktor selbst.