Schröder beginnt mit Südamerika-Tour in Mexiko

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Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist am Sonntagvormittag zu einer einwöchigen Reise nach Mexiko, Brasilien und Argentinien aufgebrochen. Mit dem ersten Besuch eines deutschen Regierungschefs in Lateinamerika nach 1996 will Deutschland nach Angaben aus Regierungskreisen seinen Einfluss in der Region gegen die Dominanz der USA stärken. Der Kanzler wird von Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (ehem. E.ON-Manager), einer 30-köpfigen hochkarätigen Wirtschaftsdelegation sowie Repräsentanten aus Kultur und Sport begleitet. Zu den Wirtschaftskapitänen zählen wie üblich Siemens-Chef Heinrich von Pierer sowie VW-Chef Ferdinand Piech.

Schröder hatte die ursprünglich für Ende August vergangenen Jahres geplante Reise wegen der damals anstehenden Parlamentsentscheidung über den Bundeswehreinsatz in Mazedonien verschoben. Auf der Wunschliste der deutschen Wirtschaft steht ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Handelsblock Mercosur ganz oben. Der Wirtschaftsdelegation gehören unter anderem Industriepräsident Michael Rogowski, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammerstages (DIHK), Ludwig Georg Braun, und die Chefs von VW und Siemens an.

Mexiko, erste Station der Schröder-Reise, wird von der Bundesregierung als Brücke nach Nordamerika verstanden. 1994 vereinbarte das Land mit den USA und Kanada die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA). Schröder trifft in Mexiko-Stadt unter anderen mit Präsident Vicente Fox zusammen.

Im Anschluss wird Schröder nach Brasilien weiterfliegen, das als wichtigster Wirtschaftspartner Deutschlands in Lateinamerika gilt. Auf Schröders Programm steht unter anderem ein Gespräch mit Brasiliens Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso sowie am Mittwoch die Teilnahme an der Einweihung einer neuen VW-Produktionsstätte in Sao Paulo.

Mit dem argentinischen Präsident Eduardo Duhalde will Schröder nach jetzigen Plänen am Freitag in Buenos Aires erörtern, wie die künftige Wirtschaftspolitik des von einer tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Landes aussehen soll. Duhalde hofft, mit den Deutschen aushandeln zu können, dass der Internationale Währungsfonds den Geldhahn für das arme Land nicht zudreht.

Argentinien brauche dringend multilaterale Unterstützung, um die Wirtschafts- und Finanzkrise zu überwinden. Dem südamerikanischen Land droht die Zahlungsunfähigkeit, die Schulden belaufen sich derzeit auf rund 150 Milliarden Euro. Duhalde hatte sein Amt erst kürzlich nach Unruhen infolge der Wirtschaftskrise angetreten.