Atomkraftgegner starten Offensive für einen schnellen Atomausstieg

"Ausgestrahlt"

Die bundesweite Anti-Atom-Organisation "X-tausendmal quer" startete am Mittwoch eine "politische Offensive", um im Umfeld der vorgezogenen Bundestagswahlen den Druck in Richtung auf einen schnelleren Atomausstieg zu erhöhen. Die Organisation übt heftige Kritik an beiden parteipolitischen Lagern. Unter dem Motto ".ausgestrahlt - Gemeinsam gegen ein Comeback der Atomenergie" soll eine Neuorganisierung der Atomkraftgegner mit dem Ziel beginnen, in der aufflammenden atompolitischen Debatte einen "Ausstieg" durchzusetzen, "der diesen Namen wirklich verdient". Dabei vertrauen die Initiatoren keinem der parteipolitischen Lager.

"Vor jeder Bundestagswahl heißt es, man müsse SPD oder Grüne wählen, um den Ausstieg zu erreichen. Und nach der Wahl stellen wir fest, dass die Reaktoren weiterlaufen und die Energiekonzerne Jahr für Jahr neue Produktionsrekorde für Atomstrom melden. In sieben Jahren Schröder-Regierung sind gerade einmal die beiden kleinsten AKWs vom Netz gegangen. Die 17 großen Meiler mit über 95 Prozent der Leistung laufen weiter", zieht Jochen Stay von X-tausendmal quer eine vernichtende Bilanz rot-grüner Atompolitik.

Die AtomkraftgegnerInnen wehren sich gegen die ihrer Ansicht nach künstlich aufgebaute Alternative zwischen rot-grünem Status Quo und schwarz-gelber Renaissance der Atomkraft. "Es darf nicht nur eine Wahl zwischen einem großen und einem riesengroßen Übel geben", so Stay, "denn nur ein Atomausstieg, der diesen Namen wirklich verdient, ist ein verantwortbarer Weg."

Damit diese politische Option überhaupt wieder als solche wahrgenommen werde, brauche es entsprechenden Druck und entsprechenden Einfluss der Anti-Atom-Bewegung auf die öffentliche Debatte.

"Viele atomkritische Menschen haben sich in den letzten sieben Jahren entweder resigniert zurückgezogen oder hoffnungsfroh zurückgelehnt", so Jochen Stay. "Aus beiden Gruppen stellen derzeit viele Menschen fest, dass es wieder an der Zeit ist, selbst aktiv zu werden und die Atompolitik nicht den Parteien und den Lobbyisten der Stromkonzerne zu überlassen. Deshalb starten wir jetzt die neue Anti-Atom-Kampagne."

Bisher hatte sich X-tausendmal quer vor allem auf Blockadeaktionen bei Castor-Transporten konzentriert. Auf diesem Aktionsfeld wollen die AtomkraftgegnerInnen auch weiterhin präsent bleiben. "Aber wir denken, es ist an der Zeit, politisch und organisatorisch mehr zu machen, um unser Ziel, die Stilllegung der Atomanlagen, zu erreichen. Es geht uns um nicht weniger als darum, gemeinsam mit vielen örtlichen Initiativen und den Umweltverbänden den zügigen Neuaufbau einer starken Anti-Atom-Bewegung zu initiieren." so Stay.