Unruhen nach dem Tod des sudanesischen Vizepräsidenten John Garang

Hubschrauberabsturz

Nach dem tödlichen Hubschrauberabsturz des sudanesischen Vizepräsidenten John Garang ist es zu Unruhen im Sudan gekommen, denen mindestens 25 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Damit könnte der Prozess, der im Januar durch einen "Friedensvertrag" den jahrzehntelangen blutigen Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land nach offizieller Darstellung beenden sollte, gefährdet sein, so die Einschätzung der "International Crises Group", einer Nicht-Regierungsorganisation, die Analysen über Konflikte in allen Teilen der Welt veröffentlicht.

John Garang war Rebellenführer der "Sudan Peoples' Liberation Army" (SPLA), die im mehrheitlich christlichen Süden des Landes gegen die moslemische Regierung Kharthoum kämpfte. Die SPLA wurde von christlich-fundamentalistischen Gruppen in den USA unterstützt, die den Konflikt im Sudan als religiösen Kulturkampf ansahen.

John Garang, der in den USA Wirtschaftswissenschaft studiert hatte, dort aber auch an der Militärakademie ausgebildet worden war, galt als brutaler Alleinherrscher im Süden. Er einte durch seine charmanten, öffentlichkeitswirksamen Auftritte die Massen. Von deutschen Firmen und staatlichen Stellen wurde Garang in seinem Kampf gegen die sudanesische Zentralregierung nachdrücklich unterstützt - vermutlich um Zugang zu den Ölreserven im Süden des Landes zu erhalten (ngo-online berichtete).

Nach Auffassung der "International Crises Group" war bereits vor dem Absturz Garangs der so genannte Friedensprozess durch die sudanesische Regierung gefährdet. Mit dem Tod des starken Mannes im Süden könnte sich diese Gefahr vergrößern, insbesondere wenn sich die Spaltungstendenzen innerhalb der SPLA verschärfen sollten.

Allerdings gibt es auch vorsichtig optimistische Stimmen. So sagte die Sudan-Expertin der Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch", Jemera Rone, dass die Möglichkeit bestehe, "dass jetzt demokratischer eingestellte Politiker im Süden die Führung übernehmen."

Die sudanesische Regierung in Kharthoum kündigte an, dass sie den "Friedensprozess" fortsetzen wolle, sofern sie einen autorisierten Ansprechpartner im Süden finde.