G8-Regierungschefs sprechen 2008 über das Jahr 2050

CO2-Ausstoß halbieren

Nach monatelangem Ringen haben sich die acht führenden Industrienationen auf ein sehr langfristiges Ziel zum Klimaschutz verständigt. Sie wollen die Treibhausgase weltweit bis 2050 um mindestens 50 Prozent reduzieren, teilte Japans Ministerpräsident Yasuo Fukuda am Dienstag (8. Juli) auf dem G8-Gipfel in Toyako mit. Dies sei "Ziel und Orientierungspunkt", sagte er. Damit gehen die G8-Staaten nicht weit über die Vereinbarung des Gipfels von Heiligendamm von 2007 hinaus, wo vereinbart wurde, dass eine Halbierung des CO2-Ausstoßes "ernsthaft" geprüft werden sollte. Wie 2007 wird aber auch diesmal auf die UNO-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen verwiesen, wo endgültige Ergebnisse erwartet werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "deutlichen Fortschritt". "An diesem Langfristziel wird die Weltgemeinschaft nicht mehr vorbeikommen", so Merkel. Sie verlangte, dass dafür auch die Schwellenländer einbezogen werden müssten. "Wir können den Anstieg nicht allein stoppen." Denn selbst wenn alle G8-Staaten kein CO2 mehr ausstießen, würden die klimaschädlichen Treibhausgase allein durch die wirtschaftliche Entwicklung in den Schwellenländern drastisch steigen.

Bislang hatten die USA sich geweigert, verbindlichen Zielen ohne die Einbeziehung der Schwellenländer zuzustimmen. Die Vereinbarung zur Umwelt und zum Klimaschutz des G8-Gipfels spricht von einer gemeinsamen "Vision" der Mitgliedsstaaten der UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), eine Halbierung der Treibhausgase bis 2050 zu erreichen. Dieses Ziel solle im Rahmen der UN-Verhandlungen "geprüft und angenommen" werden.

G8: Kohle und Kernenergie

Auf dem Gipfel wurde ferner das Festhalten vieler Länder an der Atomkraft als ein Beitrag zum Klimaschutz anerkannt. Gleichzeitig wurde der Weg begrüßt, neue Möglichkeiten zur Gewinnung sauberer Energie durch die Abscheidung und Speicherung des klimaschädlichen Kohlenstoffdioxids zu beschreiten und diese Technologie bis 2020 einzuführen.

Die G8-Staats- und Regierungschefs zeigten sich schließlich tief besorgt über den hohen Ölpreis und riefen die Erdölproduzierenden Länder zu größerer Förderung auf.

Smid: Blumige Worte

Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und BUND nannten die Ankündigung "halbherzig" und "beliebig". Die G8 hätten sich davor gedrückt, ein Ausgangsjahr für die Halbierung zu benennen, sagte Klimaexperte Karsten Smid und betonte: "Blumige Worte ersetzten keinen Klimaschutz."

BUND-Chef Hubert Weiger bedauerte, dass die G8-Staaten wieder einmal nicht bereit gewesen seien, "eine ernstzunehmende Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel" zu übernehmen.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer sagte, die Industrieländer seien in erster Linie für den Klimawandel verantwortlich. Nur wenn sie bei den Treibhausgasen 80 Prozent bis 2050 einsparen, könnten sie einen realistischen Beitrag von den Ländern einfordern, "die verständlicherweise ihr Recht auf wirtschaftliche Entwicklung geltend machen".

"Die G8-Staaten hatten schon oft Visionen", sagte Linke-Umweltexpertin Eva Bulling-Schröter. Leider scheiterten diese am Ende meist an den Interessen diverser Wirtschaftszweige "und am schlechten Gedächtnis von US-Präsidenten".

Die Union begrüßte die Klimaschutz-Ankündigung. Das G8-Treffen sei eine "Steilvorlage für ein erfolgreiches Kyoto-Nachfolgeabkommen", sagte Unions-Fraktionsvize Katherina Reiche (CDU).