Zeitung: Balkan-Einsatz führt zu psychischen Problemen

Soldaten bewerfen Autos mit Steinen

Der Einsatz auf dem Balkan führt bei vielen Soldaten offenbar zu psychischen Problemen. Wie die "Bild von Sonntag" unter Berufung auf interne Studien von Bundeswehr und Bundestag berichtet, zeigen ein Drittel aller Soldaten, die aus den Kontingenten von Kfor und Sfor nach Deutschland zurückkehren, "psychische Auffälligkeiten".

Weil sie zu Hause nicht mehr zurechtkämen, sehnten sich die "entwurzelten Soldaten" nach dem nächsten Einsatz. In einem Protokoll einer nicht-öffentlichen Anhörung des Bundestags-Verteidigungsausschusses sei von "Einsatz-Junkies" die Rede. Manche würden Verkehrsampeln ignorieren und mit Steinen nach Autos werfen.

Einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr zufolge trennen sich zudem neun Prozent der in Bosnien-Herzegowina stationierten deutschen Sfor-Soldaten von ihrer Partnerin. Sechs Prozent der Soldaten klagten über eine Verschlechterung ihrer Beziehung, 15 Prozent verlangten eine psychologische Partnerberatung.

FDP-Wehrexperte Günther Nolting hielt Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) vor, er kenne die Probleme der deutschen Soldaten im Auslandseinsatz seit mehr als zwei Jahren. Dass er bis jetzt nichts getan habe und obendrein noch hilflos zusehe, wie sein Haushalt zusammengestrichen wird, sei ein Skandal. Nolting verlangte, die Einsatzdauer von sechs auf vier Monate zu verkürzen. Bis ein Soldat ein weiteres Mal ins Ausland geschickt werde, müssten mindestens zwei Jahre vergehen, so der FDP-Politiker.