EUROSOLAR fordert differenzierte Betrachtung der Biokraftstoffe

"Beimischungspflicht war falsche politische Weichenstellung"

Die gegenwärtige öffentliche Diskussion über Biosprit ist nach Auffassung der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien (EUROSOLAR) "von einer oberflächlichen und leichtfertigen Betrachtung der Energiepflanzen geprägt". "Ob Nahrungs- oder Energiepflanzen - alles kann kurzsichtig und umweltschädlich oder weitblickend und nachhaltig angebaut werden", sagte EUROSOLAR-Präsident Hermann Scheer zum Abschluss der zweitägigen Fachkonferenz "Der Landwirt als Energie- und Rohstoffwirt" am 15. April in Leipzig. Entscheidend sei nicht, ob Biokraftstoffe eingesetzt werden, sondern mit welchen Produktions- und Vermarktungskonzepten und mit welchen politischen Förderprogrammen das geschehe. In der Abschlusserklärung der Konferenz heißt es: "Einhelliges Ergebnis der Konferenz ist, dass die 2006 eingeführte Beimischungspflicht in fossile Kraftstoffe eine falsche politische Weichenstellung war, vor der EUROSOLAR von Beginn an gewarnt hatte."

Die Beimischungspflicht beschere den Mineralölkonzernen das Abnahmemonopol, verstärke die Tendenz von Monokulturen und zu Importen, die unter ökologisch und sozial höchst fragwürdigen Bedingungen produziert würden. Folgen seien das Abholzen tropischer Regenwälder und die Vernachlässigung und Verteuerung der Nahrungsmittelproduktion.

Damit aber würden die ökologischen und sozialen Chancen der Bioenergie verspielt. "Sie liegen in der Entwicklung regionaler Energiekonzepte, in der die Landwirtschaft, mittelständische Betriebe und Stadtwerke zusammenwirken, um ökologisch und wirtschaftlich zukunftsfähige dezentrale Energiekonzepte zu verwirklichen",heißt es in der Erklärung weiter. Hierzu gehöre die Einspeisung von Biogas in Erdgasnetze und "als Ziel die Hundert-Prozent-Versorgung aus Erneuerbaren Energien."

Wechselseitige Ergänzung von Nahrungsmittel- und Energieerzeugung

Außerdem gehe es um "die wechselseitige Ergänzung von Nahrungsmittel- und Energieerzeugung: Einerseits müssen die bei der Nahrungsmittelerzeugung und -nutzung anfallenden Reststoffe und Abfälle für Bioenergie verwendet werden, andererseits müssen die bei der Biokraftstoffproduktion anfallenden Reststoffe als Futter- und Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden."

Flächenkonkurrenzen zwischen Nahrungs- und Energieerzeugung seien durch Anbau von Zwischenpflanzen nach der Ernte vermeidbar. So würden Fruchtwechsel begünstigt, die ohnehin zur ökologischen Landwirtschaft gehörten. Die Zukunft liege auch in zellulosehaltigen Pflanzen, die heute fälschlich als "Unkraut" betracht würden. "Sowohl in der Pflanzenzüchtung als auch bei der Entwicklung von Umwandlungstechnologien sind verstärkte Anstrengungen nötig."

Alle diese vernünftigen Ansätze würden aber durch die Beimischungspflicht erschwert. "Erforderlich ist stattdessen eine steuerliche Bevorzugung von Biokraftstoffen mit nachweisbar günstiger Ökobilanz. Die Zukunft liegt in regionalen Kreislaufkonzepten", hieß es unter Verweis auf bereits bestehende "Bioenergiedörfer".