Umweltverbände erheben schwere Vorwürfe gegen Bush und US-Industrie

Klima

Internationale Umweltverbände wie Greenpeace und WWF haben US-Präsident George W. Bush aufgefordert, keinen Blockadedruck auf andere Regierungen gegen die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls auszuüben. Greenpeace erinnerte Bush am Dienstag in Bonn an sein Versprechen, sich gegenüber anderen Delegationen neutral zu verhalten. Eine Greenpeace-Sprecherin kritisierte zugleich, dass der US-Präsident gegenüber der amerikanischen Automobil- und Energieindustrie offensichtlich in der Pflicht stehe, deren finanzielle Wahlkampfunterstützung "politisch zurückzuzahlen". Die amerikanischen Konzerne setzten zudem bereits erkennbar ihre europäischen Tochterfirmen unter Druck, sich von einer klimafreundlichen Unternehmenspolitik zu distanzieren.

Die Umweltschutzorganisation WWF forderte die Delegationen des Bonner Weltklimagipfels auf, endlich ihre abwartende Haltung aufzugeben und zu substanziellen Fortschritten beim Klimaschutz zu gelangen. Die Leiterin der WWF-Klimakampagne, Jennifer Morgan, kritisierte, einige Länder seien am Montag sogar auf Hardliner-Positionen zurückgefallen anstatt konstruktive Vorschläge für einen Verhandlungserfolg vorzulegen. Im Vergleich zur letzten Klimakonferenz in Den Haag sei kein Fortschritt in den Positionen zu erkennen.

Japanische Umweltschützer berichteten, die Regierung in Tokio sei überrascht über das weltweit negative Echo auf die Äußerungen des japanischen Premierministers Junichiro Koizumi, der sich pessimistisch über einen Verhandlungserfolg in Bonn geäußert hatte. Alles hänge nun davon ab, ob Koizumi seine Delegation mit einem ausreichend großen Spielraum in Bonn ausstatte. Japan hat nach dem definitiven Ausstieg der USA eine Schlüsselrolle für die Annahme des Kyoto-Protokolls.