Weltweite Klimagasverringerung wird nicht erreicht

Keine Trendwende im Klimaschutz in Sicht

Die globalen Ziele zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen sind nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bisher weit verfehlt worden. Gerade die Industrieländer, die als hauptverantwortlich für das Entstehen von Klimaproblemen angesehen werden, haben es bis heute nicht vermocht, ihren CO2-Ausstoß zu stabilisieren oder geschweige denn zu reduzieren. Diese ernüchternde Bilanz zieht das DIW wenige Tage vor dem Johannesburger Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in seinem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Wochenbericht.

Lediglich der Rückgang der Emissionen in den Transformationsländern Mittel- und Osteuropas in den 90er Jahren habe zu einer Entspannung beigetragen. Gleichwohl sei diese Verminderung nicht klimapolitisch, sondern durch den Rückgang der Industrie begründet, schränkt das DIW ein. Wenn jedoch die starke Zunahme der Emissionen in den Entwicklungsländern hinzugerechnet werde, so sei im globalen Maßstab noch immer keine Trendumkehr in Richtung einer nachhaltigen Emissionsreduktion zu erkennen.

Das Institut betont, dass es von 1990 bis 2001 zu einer besonders starken Zunahme der CO2-Emissionen in den Entwicklungsländern um 44 Prozent gekommen ist. Dadurch habe sich deren Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen im betrachteten Zeitraum von gut 31 Prozent (1990) auf fast 40 Prozent (2001) erhöht. Nach wie vor entfalle der größte Anteil mit nahezu der Hälfte aber auf die westlichen Industrieländer. Hier sind die CO2-Emissionen von 1990 bis 2001 mit gut elf Prozent nur wenig schwächer als im weltweiten Durchschnitt gestiegen. Absolut am stärksten war die Emissionszunahme in den USA, gefolgt von Japan, Kanada und Australien. Lediglich Deutschland und Großbritannien erreichten eine merkliche Emissionsminderung. Nur deshalb ergab sich auch für die Europäischen Union (EU) insgesamt eine Senkung.

Prognosen deuten darauf hin, dass in Zukunft fast überall mit einem weiteren Emissionsanstieg gerechnet werden muss. Das DIW verweist auf Angaben der US-amerikanischen Energy Information Administration (EIA), wonach gegenüber 1990 die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis 2010 um 36 Prozent und bis 2020 um nahezu 70 Prozent steigen dürften. Mit einem Plus von 54 Prozent bis zum Jahre 2020 werde der Anstieg in den USA bei weitem am stärksten ausfallen. Doch auch für die westeuropäischen Länder, die sich verbindlich zu einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2008/2012 um acht Prozent verpflichtet haben, wird vom EIA zumindest bei den CO2-Emissionen noch eine deutliche Steigerung vorhergesagt.

Für Deutschland hält es das Institut immerhin für möglich, dass bei konsequenter Fortsetzung der Klimaschutzpolitik zumindest eine "gute Chancen" besteht, ihre in diesem Rahmen eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. Allerdings dürfte die Bundesrepublik ihr selbst gestecktes und anspruchsvolleres Ziel verfehlen, die CO2-Emissionen schon bis 2005 um ein Viertel gegenüber 1990 zu senken.