"Marketing völlig außer Kontrolle"

Suchtexperten fordern Verbot der Alkoholwerbung

Die europaweite Organisation "Eurocare" fordert ein Verbot der Alkoholwerbung. Die Zeit der Freiwilligkeit bei der Beschränkung sei endgültig vorbei, sagte Derek Rutherford, Sekretär von "Eurocare", am Freitag auf der Frühjahrstagung der Organisation in Hamburg. Die Prävention wirke bei dem großen Werbeaufkommen der Industrie nicht mehr. "Das Marketing gerade für die junge Zielgruppe ist völlig außer Kontrolle geraten, da macht jeder, was er will", sagte Rutherford. Vor allem dem Sponsoring von Musik- und Sportveranstaltungen durch Alkoholfirmen müsse Einhalt geboten werden.

Auch die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) fordert auf nationaler Ebene eine konsequentere Alkoholpolitik. Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der DHS, kritisierte in diesem Zusammenhang den Versuch der Bundesregierung, die Alkoholproduzenten zur freiwilligen Teilnahme an Präventionsmaßnahmen zu bewegen. Hier gehe es um die öffentliche Gesundheit, sagte Hüllinghorst in Hamburg. "Da helfen keine Almosen, sondern die Politik hat zu bestimmen, was ihr die Gesundheit der Bevölkerung wert ist", betonte er. DHS und die Guttempler sind Mitglied von "Eurocare".

Zu den Forderungen der DHS und Guttempler gehören ein Verkaufsverbot von alkoholischen Getränken an Tankstellen, die strikte Einhaltung des Abgabealters für Kinder und Jugendliche, höhere Steuern auf Alkohol, eine zweckgebundene Abgabe für Vorbeugung sowie ein generelles Werbeverbot für alkoholische Getränke. Durch gezielte Prävention sei der Konsum zum Beispiel in Frankreich und Italien um bis zu 40 Prozent gesenkt worden, betonte Hüllinghaus.

Deutschland liegt den Angaben zufolge im Pro-Kopf-Konsum von Alkohol mit 10,5 Litern europaweit auf dem fünften Platz. Rund 1,6 Millionen Menschen gelten als abhängig. Pro Jahr sterben 40 000 Menschen vorzeitig durch ihren übermäßigen Alkoholkonsum, und 1022 Menschen starben im vergangenen Jahr bei alkoholbedingten Verkehrsunfällen. Über Selbsthilfe sei das Problem Alkohol nicht mehr in den Griff zu bekommen, sagte Hüllinghaus. Jetzt müssten politische Schritte folgen.

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