Seevögel abhängig von menschlicher Fischerei

Beifang

Zahlreiche Seevögel ernähren sich vom Beifang der menschlichen Fischerei. Ein plötzlicher Fangstopp könne daher die Bestände seltener Vögel gefährden. Das ergab eine Untersuchung der Universität Jena. Die Forscherin Simone Pfeiffer hatte von 1986 bis 2002 unter der Leitung des Wissenschaftlers Robert W. Furness von der Universität Glasgow die Populationen von Vögeln auf der Shetland-Insel Foula untersucht. Das Ergebnis: "Fischer machen mehr Beute, als ihnen bewusst ist. Denn ihre Fangmenge beeinflusst auch das Fressverhalten der Seevögel", erklärt die Expertin.

Die Großen Raubmöwen, die sie untersuchte hätten sich darauf eingestellt, einen Teil ihrer Nahrung direkt bei den Fischfangschiffen abzuholen, denn dort würden zu kleine oder unbrauchbare Fische als Beifang direkt ins Meer zurückgeworfen werden.

"Diese vom Menschen quasi servierten Fische haben die Möwen als leichte Beute ausgemacht und als festen Bestandteil auf ihren Speiseplan gesetzt", erklärt Pfeiffer. Dabei habe die Forscherin beobachtet, dass der Anteil der von den Möwen selbst gefangenen Fische deutlich zurückgegangen sei. Die Ergebnisse der Forscherin stützen sich auf die Analysen von Gewöllen, dem unverdauten Teil der Nahrung, den der Vogel regelmäßig wieder ausspuckt.

Die Experten raten dazu, die Fischfangquote nur langsam zu senken. "Eine Steuerung der Populationsgröße durch ein Verändern der Fangquote ist allerdings nicht möglich", meint Pfeiffer, da zu viele Faktoren einen Einfluss ausüben würden. Die Forscherin plädiert jedoch dafür, solche Langzeitstudien zur Populationsdynamik weiter fortzusetzen, denn nur so ließen sich die weit reichenden Beziehungen im marinen Nahrungsnetz und damit die unmittelbare Verbindung zum Menschen als Nutzer der Fischbestände entschlüsseln. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlicht.