EU verantwortlich für 86 Prozent des Handels mit Wildvögeln

Wildvogelimporte

222 Tier- und Naturschutz- verbände aus aller Welt haben die EU heute in einer gemeinsamen Deklaration aufgefordert, die Einfuhr wildgefangener Vögel zu beenden. Die Verbände beklagen die Rolle der EU als "mit Abstand der größte Abnehmer" von sogenannten Ziervögeln. Demnach würden pro Jahr mehr als 1 Million Tiere importiert. Es sei höchste Zeit, dass die EU dem Beispiel anderer Industriestaaten folgt, stellt Daniela Freyer von Pro Wildlife fest. Während zum Beispiel die USA, Kanada und Australien solche Importe längst verbieten würden, lasse die EU Vogelbestände in Entwicklungsländern rücksichtslos plündern. Der Handel sei ausserdem nicht nur verantwortlich für die Gefährdung vieler Arten und das sinnlose Leiden unzähliger Individuen, sondern berge auch erhebliche Gesundheitsgefahren. So könne zum Beispiel die in Asien grassierende und auch für Menschen tödliche Vogelgrippe durch Wildvögelimporte eingeschleppt werden.

Wegen der größten Vogelgrippe-Epidemie aller Zeiten gelte in der EU derzeit noch ein Importverbot für Vögel aus einigen asiatischen Ländern, berichtet Pro Wildlife. Dieses ende allerdings offiziell am 15. Dezember. Dass der internationale Tierhandel eine ernstzunehmende Rolle bei der Verbreitung ansteckender Krankheiten spiele, verdeutliche die illegale Einfuhr von zwei Adlern aus Thailand nach Brüssel vor einigen Wochen: Die Tiere seien mit einer Variante des Vogelgrippevirus infiziert gewesen, die auch für 70 Prozent der infizierten Menschen tödlich sei. In diesem Jahr habe sie 32 Menschen in Asien das Leben gekostet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe sogar bereits gewarnt, dass die asiatische Vogelgrippe eine weltweite Epidemie auslösen könnte.

"Wir dürfen das Gesundheitsrisiko, das von Vogelkrankheiten wie der Vogelgrippe ausgeht und die damit verbundenen Kosten nicht länger ignorieren ", so Jamie Gilardi vom World Parrot Trust, Mitinitiator der Kampagne für ein Wildvogel-Importverbot. In dem Brief an die EU wird darauf hingewiesen, dass auch in der deutschen, holländischen und belgischen Geflügelindustrie 2002 ein Vogelgrippe-Erreger grassierte. In Folge dessen seien damals 30 Millionen Tiere getötet worden.

Laut Pro Wildlife kommen die meisten nach Europa importierten Vögel aus Asien, gefolgt von Afrika . Der Öffentlichkeit sei allerdings wenig bekannt, dass ein Großteil der hierzulande in Zoogeschäften angebotenen Tiere nach wie vor aus freier Wildbahn stammten. Denn während die "Europäische Vogelschutzrichtlinie" den Fang heimischer Vogelarten verbieten würde, sei der Plünderung der exotischen Vogelfauna in Entwicklungsländern für europäische Käfige kaum eine Grenze gesetzt.

So habe die EU alleine zwischen 1996 und 2002 die Einfuhr von mehr als 6 Millionen Vögel genehmigt, die durch das Washingtoner CITES- Abkommen geschützt sind. Das seien 86 Prozent des weltweiten Handels. Hinzu kämen noch Hunderttausende ungeschützter Singvögel, die keinerlei Schutzbestimmungen unterlägen. Allerdings komme nur ein Bruchteil der gefangenen Vögel lebend in Europa an: Der Großteil sterbe bereits beim Fang mit Netzen und Leimruten, bei Zwischenhändlern und Exporteuren im Ursprungsland, bei tagelangen Transporten in überfüllten Kisten oder in Quarantänestationen.