Ärzte ohne Grenzen fordert bezahlbare Medikamente für ärmere Länder

WTO-Tagung in Sydney

Anlässlich des Delegiertentreffens der Welthandelsorganisation (WTO) in Sydney ruft die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die Wirtschaftsminister auf, den Schutz der Gesundheit in ärmeren Ländern nicht zu Gunsten der Interessen der Industrienationen einzuschränken. Ärzte ohne Grenzen fordert die WTO-Mitglieder insbesondere dazu auf, die Exportbeschränkungen für generisch produzierte Medikamente (Nachahmerprodukte) aufzuheben.

Genau vor einem Jahr, am 14. November 2001, erklärten die Mitgliedsstaaten auf der WTO-Ministerkonferenz in Doha, dass der Patentschutz von Medikamenten Regierungen ärmerer Länder nicht an der Behandlung ihrer Bevölkerung hindern darf. "Am Jahrestag der Erklärung von Doha sehen wir diese Zusagen auf das Äußerste gefährdet", so Ellen 't Hoen von Ärzte ohne Grenzen. "Wir befürchten, dass in Sydney Beschlüsse gefasst werden, die den Zugang zu Nachahmerprodukten für ärmere Länder zusätzlich erschweren werden."

Jedes Jahr sterben rund 14 Millionen Menschen weltweit an Infektionskrankheiten. Mehr als 36 Millionen HIV-Infizierte haben keinen Zugang zu lebensnotwendigen Arzneimitteln. Hauptursache hierfür ist der unerschwinglich hohe Preis der HIV/Aids-Medikamente in diesen Ländern. Generisch hergestellte Nachahmerprodukte kosten meist deutlich weniger als die patentierten Markenprodukte. Damit können erheblich mehr Patienten zu denselben Kosten behandelt werden. Gemäß des Abkommens zum Schutz geistigen Eigentums der WTO (TRIPS-Abkommen) dürfen Länder ohne eigene Produktionskapazitäten, Nachahmerprodukte aus anderen Ländern importieren. Völlig paradox ist jedoch, dass die betreffenden Generika-Produzenten ihre kostengünstigen Arzneimittel nicht exportieren dürfen.

Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen und einigen Regierungen ärmerer Länder fordert Ärzte ohne Grenzen deshalb die Aufhebung dieser Exportbeschränkungen. Nur so kann der Zugang zu kostengünstigen Medikamenten für die Menschen in ärmeren Ländern im Sinne der Erklärung von Doha gewährleistet werden. "In Sydney muss dauerhaften Lösungen des Exportproblems der Vorrang gegenüber halbherzigen, vorschnellen Absprachen gegeben werden, die das Leben von Millionen von Menschen aufs Spiel setzen", erklärt Ellen 't Hoen.