Polnische Zwangsarbeiter erhalten Nachzahlung für Wechselkursverluste

Ausgetrickst

Der Streit um die Auszahlung der Entschädigungen an polnische NS-Zwangsarbeiter ist beigelegt. Die deutsche und die polnische Stiftung einigten sich auf eine Zuzahlung, um die Nachteile aus dem ungünstigen Wechselkursgeschäft auszugleichen, sagte der Sprecher der deutschen Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", Kai Hennig, am Freitag in Berlin. Hierzu werden die bis Oktober 2002 anfallenden Zinsen von rund 100 bis 110 Millionen Mark genutzt. Die deutsche Stiftung hatte beim Währungstausch hohe Wechselkursverluste verursacht und so die Entschädigungssumme ursprünglich um bis zu 180 Millionen Mark reduziert.

Bisher hätten etwa 250.000 polnische Opfer Leistungen im Gesamtwert von rund einer Milliarde Zloty (etwa 500 Millionen Mark) erhalten, sagte Hennig. Beide Stiftungen hätten die feste Absicht, die Auszahlungen weiterer Leistungen in Polen im Rahmen der ersten Rate bis Oktober 2002 abzuschließen und anschließend die Mittel der zweiten Rate auszuzahlen. Diese wird die deutsche Seite in Euro an die polnische Partnerorganisation überweisen.

Die deutsche Stiftung betonte, dass die "schnelle Lösung im Sinne der polnischen Opfer" keinen Präzedenzfall für die generelle Verwendung der Zinsen in Zukunft bedeute. Diese sollen weiter frei verfügbar für Entschädigungen eingesetzt werden können.

Der Streit entstand, nachdem die deutsche Organisation 1,3 Milliarden Mark im Juni in Zloty umgetauscht hatte - als die polnische Währung im Verhältnis zum Euro so hoch stand wie noch nie. Drei Wochen später kam es zu einem Kurssturz des Zloty, wodurch sich die Entschädigungssumme je nach Wechselkurs um bis über 180 Millionen Mark reduzierte.

Stiftungsvorsitzende Michael Jansen rechtfertigte das damalige Vorgehen damit, dass die Überweisung der Mittel in Zloty und der Umtausch von Mark auf ausdrücklichen Wunsch der polnischen Partnerorganisation zu Stande gekommen sei. Der Kurssturz des polnischen Zloty sei nicht vorhersehbar gewesen. Wegen des Finanzdebakels war Mitte August der Geschäftsführer der Stiftung für polnisch-deutsche Aussöhnung, Bartosz Jalowiecki, entlassen worden.