Flugzeugabstürze führen bei jedem AKW zur Katastrophe

Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit

Nach einem vertraulichen Gutachten der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) kann der gezielte Absturz eines Verkehrsflugzeugs bei jedem der deutschen AKW zu einem Super-GAU führen, der in seinen Auswirkungen noch weit schlimmer als die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wäre. Das berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Angesichts dieser Ergebnisse müssen nach Auffassung des Verbandes die im Atomkonsens vereinbarten Restlaufzeiten für AKW radikal verkürzt werden. Der BUND fordert, die Bundesregierung müsse die Öffentlichkeit umgehend über die Gefahren für Atomkraftwerke durch Flugzeugabstürze aufklären. Den Verantwortlichen sei schon immer bekannt gewesen, dass Atomkraftwerke nicht vor terroristischen Angriffen geschützt werden könnten, berichtet der frühere Atom-Manager Klaus Traube.

"Das Gutachten bestätigt: An jedem Atomstandort in Deutschland könnten Terroristen einen Super-GAU auslösen, dessen Folgen wegen der vielfach höheren Bevölkerungsdichte noch weit katastrophaler als in Tschernobyl wären", fasst Traube, jetzt BUND-Atomexperte, zusammen. Die Bundesregierung wisse von dieser Gefahr seit beinahe einem Jahr und habe noch immer nicht erklärt, was für Maßnahmen sie ergreifen wolle. "Die Menschen haben ein Recht darauf informiert zu werden", sagte Traube. "Deshalb muss Umweltminister Trittin die Geheimniskrämerei um das Gutachten beenden."

Besonders gefährdet seien laut GRS-Gutachten die neun älteren Anlagen: Obrigheim, Stade, Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Neckar 1 und Unterweser. Bei diesen Anlagen könne schon der Absturz eines kleinen Verkehrsflugzeuges die Katastrophe auslösen. Beim gezielten Absturz eines großen Flugzeugs könnten auch die zehn neueren Anlagen außer Kontrolle geraten.

"Das Gutachten beleuchtet nur die Spitze eines Eisbergs", meint Traube. "Schon immer war den Verantwortlichen bekannt, dass eine Atomkatastrophe von Terroristen ausgelöst werden könnte, zum Beispiel durch Infiltration in das Betriebspersonal oder durch Zerstörungen von außen durch tragbare panzerbrechende Waffen oder Sprengstoff", berichtet der ehemalige Atom-Manager. Solche Bedrohungen seien nie öffentlich erörtert worden. Vorsichts- und Nachrüstmaßnahmen könnten die Risiken nicht entscheidend mildern. "Nur abgeschaltete Atomkraftwerke sind sichere Atomkraftwerke."