Verbände argumentieren für und gegen Atomausstieg

Argument Klimaschutz von allen

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) warnt die große Koalition angesichts der neuen Atomdebatte vor falschen Weichenstellungen in der Energiepolitik. Notwendig sei ein entschlossenes Engagement für den Wechsel von den endlichen zu den erneuerbaren Energieträgern, forderte Verbandsgeschäftsführer Milan Nitzschke. Dann sei die Lücke, die durch wegfallende konventionelle Kraftwerke entstehe, "technisch und wirtschaftlich locker zu schließen". Der Geschäftsführer des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) dagegen forderte längere Laufzeiten der Atomkraftwerke. "Strom aus Kernenergie kann sehr günstig hergestellt werden, weil die Anlagen vollständig abgeschrieben sind und am 'goldenen' Ende produzieren."

Nitzschke mahnte, der Energiegipfel im April müsse deutlich machen, dass die Zukunft der deutschen Energieversorgung nicht bei den Altenergien liege, sondern bei den heimischen, unendlich zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energien. Nitzschke betonte, die Atomenergie könne die "beängstigende Abhängigkeit Deutschlands von teuren Energieimporten" nicht mindern. Das Gegenteil sei der Fall: "Bei der Atomkraft ist Deutschland zu 100 Prozent auf Importe des Brennstoffes Uran angewiesen."

Von einer Verlängerung der Restlaufzeiten von Kernkraftwerken würden nach den Worten des BEE-Geschäftsführers "allein die großen Energiekonzerne profitieren". Schon heute gäben diese die Preisvorteile im Atombereich nicht an ihre Kunden weiter. Gegenwärtig kassierten sie auf dem Strommarkt mehr als das Doppelte dessen, was sie für die Erzeugung in den Kernkraftwerken bezahlten.

Nitzschke verwies zudem darauf, dass in den vergangenen Jahren neue Arbeitsplätze in der Energiewirtschaft nur im Bereich der erneuerbaren Energien entstanden seien - "bisher 150.000 in Deutschland". Laut Atomwirtschaft seien im Bereich Kernenergie nur etwa 38.000 Arbeitnehmer beschäftigt, die auch zum Rückbau benötigt würden, wenn Kraftwerke wie geplant vom Netz gehen.

Nitzschke wandte sich auch gegen die Darstellung, die Atomkraft sei wichtig für den Klimaschutz. Er betonte: "Stromerzeugung aus Kernenergie emittiert weniger CO2 als Kohle- und Erdgasstrom - aber mehr als Strom aus erneuerbaren Energien." Der Geschäftsführer des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) Alfred Richmann vertrat dagegen die Ansicht, jedes "vorzeitig abgeschaltete" Atomkraftwerk bedeute ein Erhebliches mehr an CO2-Emissionen aus anderen Energieträgern.

Ein weiterer Fehler sei es zu behaupten, Kernenergie könne Erdgas ersetzen. Über 90 Prozent des Erdgasverbrauchs in Deutschland fielen bei der Wärmeversorgung an, für die Atomkraftwerke keine Alternative böten.

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